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(...) Das Stück [der "Boléro"] beginnt ganz leise im dreifachen Pianissimo (ppp) - und endet nach viertelstündigem Crescendo im rauschhaften Fortefortissimo (fff). Nun eignen sich bei einer Langspielplatte, die konstant mit 33,3 Umdrehungen pro Minute läuft, die äußeren Abschnitte naturgemäß besser für laute Töne, da hier die Rille pro Zeiteinheit mehr Platz zur Verfügung hat. Speer wagte es, die Nadel quasi rückwärts laufen zu lassen, und ließ das Orchesterstück von innen nach außen schneiden. Die Einlaufrille befindet sich nahe dem Label, die Auslaufrille am äußeren Rand.

Die verrückte Logik funktioniert. Und wie! Die Interpretation des Dirigenten Carlo Rizzi mag wie die Spielqualität des Netherlands Philharmonic Orchestra im oberen Mittelfeld des vielfach eingespielten Superhits liegen - die Klangqualität toppt alle analoge Konkurrenz. Klaglos folgt der Tonabnehmer der Rille, wobei er natürlich in der richtigen Laufrichtung abtastet - der Plattenspieler (...) selber darf weiterhin richtig herum drehen. Dabei entfesselt gutes Analogequipment wahrhaft irrwitzige Dynamik, jede Orchestergruppe erscheint bestens ausgeleuchtet, auch tonale Feinheiten gehen nicht verloren. Hier müssen Analogfans zugreifen. Auf der Rückseite des "oreloB", wie ihn Spreer konsequent betitelt, ertönt übrigens die ebenfalls von innen nach außen geschnittene Komposition La Valse vom Meister-Orchestrierer Ravel. (...)

Attila Csampai, Lothar Brandt

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