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--> zur Original-Kritik

Für Hörerinnen und Hörer, die des Mittelalter-Kitschs überdrüssig sind und finden, die Musik aus jener Zeit bedürfe, um genossen zu werden, nicht der Beigabe entfernt verwandter Instrumente und Stilmittel aus anderen Kulturen oder Zeiten; für diese Hörerinnen und Hörer ist das Basler Ensemble Peregrina unter der Leitung von Agnieszka Budziñska-Bennett seit seiner Gründung 1997 ein sicherer Hafen.

Ihre CD Miracula, welche Musik zu Ehren des heiligen Nikolaus aus verschiedenen Jahrhunderten sammelt, steht in der besten Tradition dieses Ensembles. Der Klang der Frauenstimmen und der Instrumente ist nah, warm, nicht zu hallig; das Programm sorgfältig ausgewählt und arrangiert. Die Besetzungen sind abwechslungsreich: Einmal wird eine Stimme von den Instrumenten begleitet, einmal erklingt ein Gesangssolo, einmal ein Frage- und Antwortspiel zwischen Vorsängerin und Tutti (bei einem Ensemble mit drei Sängerinnen darf wohl nicht von «Chor» geredet werden). In den ersten einstimmigen Stücken wird das Gehör so eingestimmt und beginnt so feine Unterschiede wahrzunehmen, dass die erst bei Track 8 eintretende Zweistimmigkeit (im wunderschönen Conductus Gaudens in domino / Iube domne silencium) geradezu überwältigend erscheint. Tanzsätze (wie die Estampite Nicholaus inclitus, Track 11) sind neben den Gesangsstücken auch vertreten.

Weil der heilige Nikolaus damals wie heute weite Verehrung genoss, stammen die Stücke aus ganz Europa. Aus der Schweiz ist der Sankt Galler Benedicamus-Tropus Nicholai sollempnia zu hören (Track 21). Kurzum, bei 27 Nummern gibt es Musik für jeden Geschmack. Die letzten drei Stücke auf einen annähernd gleichen Tropus-Text (Benedicamus devotis mentibus) sorgen noch für eine kleine Überraschung: Der letzte ist erst um 1500 in Verona entstanden und beweist, dass der Geschmack für «einfache» Polyfonie weit über die zeitlichen Grenzen des Mittelalters erhalten blieb.

Kleine Unachtsamkeiten bei der Redaktion des Booklets führen zu den einzigen nachteiligen Bemerkungen dieser Rezension: Ein Tippfehler ist ausgerechnet auf dem Rückentitel passiert (Miralula), und die Abfolge der Stücke im Booklet entspricht nicht ganz der Abfolge auf der CD (Tracks 11 und 12 sind vertauscht), was eine leichte Verwirrung verursachen kann.

Claudio Bacciagaluppi

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