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Unidyllisch
"Es gibt Zeitgenossen, die meinen, Felix Mendelssohn Bartholdy sei ein rundum idyllischer Komponist gewesen, lieb, harmlos, wie der nette Nachbar von nebenan. Auf dieser CD ist genau das nicht zu hören. Da geht es hoch her. Da wird nicht lange gefackelt. Von Verniedlichung keine Spur. Stattdessen hört man musikalische Eruptionen, wie man sie unter vier bzw. acht Streichern wohl kaum für möglich hielte.
Dank sei dem Auryn-Quartett, das das Streichquartett op. 44 Nr. l und, zusammen mit dem Minguet-Quartett, das Oktett op. 20 wahrhaft aufwühlend eingespielt hat. Teststelle: vierter Satz, Presto. Dass hier zwei Ensembles am Werke sind, merkt man nicht. Sie entfachen in diesem Fugato einen Sturm der Spiellust, der auch das Ungemütliche wie selbstverständlich mit einschließt. Deutlich wird das von der ersten Sekunde an, sobald die Celli losknurren, als hätte man sie zuvor drei Sätze lang im Zwinger gehalten. Dann gibt eine Stimme der nächsten das Kommando, und man stürzt in allgemeinen Taumel, Doch weit gefehlt, wer hier Orientierungslosigkeit vermutet. Außerdem nimmt man sich an den entscheidenden Stellen geschlossen zurück, ohne dabei an Spannung einzubüßen. Die sprudelnde Coda allein ist die Aufnahme wert.
Auch für das Quartett erweist sich das Auryn-Quartett als Jungbrunnen. Ideenreich, risikofreudig und mit beinahe ungezügeltem Elan wird hier Kammermusik gemacht, ohne bei solch rasanter Fahrt über die Feinheiten hinwegzusausen. Und welche Innigkeit im langsamen dritten Satz! Sie wirkt nie aufgesetzt, immer erspürt. Große Kantilenen paaren sich mit schweren begleitenden Pizzicati."
Christoph Vratz

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