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Das Auryn-Quartett beginnt eine neue Serie von Quartett-Einspielungen: alle Streichquartette von Joseph Haydn wollen die Musiker aufnehmen - zumindest diejenigen, bei denen die Wissenschaft bestätigen kann, dass sie wirklich von Joseph Haydn sind. Da keine Handschriften der ersten Quartette überliefert sind und die Verleger zu Haydns Zeiten auch nicht zimperlich waren, kann man sich bei einigen Werken doch nicht so sicher sein, ob wirklich Joseph Haydn ihr Komponist ist. Bei dem Label "Tacet" haben die Auryns gerade die erste CD aus der neuen Reihe vorgelegt: Das komplette opus 1 – sechs Quartette sind es. Sie stammen aus den 1760er Jahren und waren zunächst gar nicht als Zyklus gedacht: die Zusammenstellung hat ein Verleger vorgenommen.

Lassen wir die Auryns ganz vorne anfangen: Hier ist der erste Satz aus dem opus eins - Nummer eins! (Einspielung)

Mit kräftigem Strich und viel Energie spielt das Auryn Quartett – sogar in den feinen, ganz leisen Stellen. Das wirkt erfrischend und klingt aufgeweckt: eine Wachheit, die besonders bei den Menuett- und Triosätzen Haydns kleine Wunder auslöst. Denn in denen hat Haydn sich gelegentlich furchtbar brav gestellt. Mit ein bisschen Flexibilität bei der Gestaltung zeigt sich schnell, wie bunt diese Sätze sein können. Den nachfolgenden Satz aus demselben B-Dur-Quartett kann man schrecklich akademisch anfangen. Man kann das bieder-deutsche Menuett aber auch höchst geschmeidig spielen – und das Trio verspielt nehmen. (Einspielung)

Das genaue Gegenteil zu den hingeworfenen Glissandi aus dem Satz davor: quirlige Schlenker und gestochen scharf gespielte Läufe, das alles mit einer Fröhlichkeit, die man eher bei Mendelssohn vermutet.

In hr2-kultur hören Sie Musik von Joseph Haydn, gespielt vom Auryn-Quartett. Mit den 6 Streichquartetten op. 1 haben die vier Musiker ihr erstes Album aus einem neu angefangenen Haydn-Zyklus vorgelegt. Bei der Auswahl beruft sich das Quartett auf "neueste Forschungen" - und statt des Quartettes op. 1 Nr. 5 in B-Dur, das eine Variation einer Sinfonie ist, haben sie ein anderes Werk eingefügt: als "op. 1, Nr. 0" hört man ein Werk, das Anthony van Hoboken noch als "Divertimento" geführt hat: ein Es-Dur-Quartett. Daraus zwei Sätze, die etwas breiter und etwas lyrischer als die vorangegangenen Ausschnitte sind: Menuet und Adagio. (Einspielung)

So machen Streichquartette Spaß: wach, vielseitig gestaltet, mit emotionalen Gegensätzen, die sich doch binden, all das gespielt – scheinbar – ohne jede Anstrengung. Denn in all diesen Feinheiten steckt eine Menge Arbeit, die man diesen Aufnahmen nicht anhört.
Christiane Schiemann

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