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--> zur Originalkritik

Wenn Andras Keller – bekannt als Gründer des Keller Quartetts – an der Spitze des von ihm als Chefdirigent geleiteten ‘Concerto Budapest’ Bruckners Neunte Symphonie dirigiert, ist das hörbar ein beziehungsreiches Unterfangen, in der die Liebe des Dirigenten für den Komponisten wie für das Werk deutlich wird.

Keller geht es nicht primär um die große, ausladende Geste, und er tut viel, um das Klangliche der Symphonie zu differenzieren. Die Seele fehlt genau so wenig wie die liebevolle Darstellung des Naiven bei Bruckner. Das merkt man gleich zu Beginn des ersten Satzes, der sich aus der Ruhe heraus entwickelt und insgesamt weniger dramatisch und auch viel positiver wirkt als bei vielen anderen Dirigenten. Das alerte Scherzo mit seinen verspielten Nebenthemen und dem nicht weniger verspielten und quicklebendigen Trio wird im ‘Real Surround’ von Tacet besonders attraktiv. Der Hörer sitzt mittendrin im Klanggeschehen.

Mit zutiefst musikalischem Atem dirigiert Keller den dritten Satz, dessen Musik er längst nicht so aufwühlt, wie dies Georg Tintner oder andere Dirigenten taten. Der Ausdruck des Zweifels und der Ungewissheit wird bei Keller nicht so sehr betont wie bei anderen Dirigent, was durch Bruckners dezidierte Widmung an den lieben Gott auch Sinn macht. Ergreifend ist es aber allemal, was hier auf uns einwirkt, und vor allem: das ganze Werk wird aus ein und demselben Atem und aus einem Geist heraus dirigiert, zwingend für das willige Orchester, zwingend für den Zuhörer.

Remy Franck

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