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Neue Begegnungen der anderen Art
Die DVD-Audio entwickelt sich weiter: bei TACET und in den Bauer Studios in Ludwigsburg
Deutsche Tonmeister in ihren Klassik-Studios sind elektrisiert von den Möglichkeiten der Klanggestaltung, welche die neue DVD-Audio bietet. Über MDGs "2+2+2"-Format - überwältigenden dreidimensionalen Klang aus sechs Lautsprechern - wurde vor kurzem berichtet (nmz 2/01, S. 17). Nun ist zu vermeiden, dass der Wunsch nach geeigneter Hardware bereits auf Resonanz stieß: Denons Vorzeige-Bolide AVC-A1SE - Aussehen und Ausstattung rechtfertigen seinen stolzen Preis von 7.500 Mark - ist als 7.1-Surround-Verstärker für DVD-Video und -Audio mit allen Schikanen versehen, welche die heutige Wiedergabetechnik bietet; auch SACDs kann er abspielen, aber hier scheiden sich ohnehin die Geister: Sony und Philips verfolgen unter den skeptischen Blicken der breiten Käuferschicht zwar weiter ihren eigenen SACD-Weg, doch scheint dem zügigen Vormarsch der auf dem DVD-S.I-Video-Format aufbauenden DVD-Audio durchschlagender Erfolg beschieden.
An Denons Super-Verstärker lässt sich über einen von zwei Achtkanal-Eingängen die "normale" Surround-Lautsprecheranordnung mit Center-Lautsprecher und Subwoofer fürs Heimkino anschließen und über den zweiten auch die in den Kanälen 5 und 6 anders zugeordnete "2+2+2"-Aufstellung für die MDG-Technik. Jede der beiden Zuordnungen lässt sich durch einen Tastendruck anwählen: Man kann also leicht zwischen der "normalen" 6.1-Anordnung für Film- und Audio-DVDs und MDGs dreidimensionalem Musikerlebnis hin und her schalten. Für den Musikfan, der sich dieses Topgerät nicht leisten will oder kann, bietet Denon auch ein preiswerteres Gerät an, den AVR-3801 Surround-Receiver mit 7-Kanal-Endstufe für 2.400 Mark.
Natürlich braucht derjenige, der alles ausnutzen will, was die neue Technik ihm bietet, einen neuen DVD-Video/Audio Player der gehobenen Klasse, dazu - neben den beiden Lautsprechern, die er bisher schon für seine Stereo-Wiedergabe besaß - noch weitere vier Boxen, nämlich zwei für den Film-Surround-Sound hinter sich und dazu einen Mitten- (Center) und einen Effektlautsprecher (Subwoofer); will er - und das lohnt sich! - MDGs "2+2+2"-Klang genießen, sind dann noch zwei weitere kleine Boxen über den vorderen Stereolautsprechern nötig. Insgesamt sind das zu den vorhandenen beiden Stereolautsprechem seiner Anlage sechs neue: Das klingt nach Aufwand, aber für diese zusätzlichen Lautsprecherboxen (sie müssen nicht zur Spitzenklasse gehören, wenn die beiden Basis-Stereolautsprecher hochwertig sind!) gibt es heute ein großes und auch preiswertes Angebot in allen Großen, Formen und Färben. Der Rat des Fachmanns und seine Hilfe bei der Installation sind ohnehin ratsam.
Andere Tonmeister ersparen den Musikfreunden den Mehraufwand für das dreidimensionale Klangwunder und nutzen die im DVD-Videoformat 6.1 schon bestehenden Mehrkanal-Möglichkeiten für reine Musikwiedergabe. Eine originelle Lösung ist dem schwäbischen "Diftler" Andreas Spreer eingefallen, dessen Stuttgarter Label "Tacet" inzwischen für viele "klassische" Musikfreunde ein Synonym für Besonderes wurde, Spreer vertraut auf eine Klangtechmk, die nutzt, was im DVD-Video-Fonnat ohnehm angeboten wird: den (mit zwei Zusatzlautsprechern unterstützten) Surroundsound, den er für die Wiedergabe klassischer Musik primär den vier "Rundherum-Lautsprechem" anvertraut, wobei er aber auch den Mittenlautsprecher ins Klanggeschehen einbezieht. Mit diesen fünf Kanälen experimentiert er so radikal, dass er Gewohntes beim Musikhören über den Haufen wirft: Er setzt den Hörer nämlich mitten ins klingende Geschehen hinein - die Instrumente erklingen um ihn herum, als wären die Spieler auch so im ganzen Raum verteilt, was sie bei der Aufnahme tatsächlich sind. Seine ersten DVDs in diesem Real Surround Sound verstören erst ein wenig, faszinieren dann aber immer mehr: In Bachs 2. Brandenburgischen Konzert spielen die vier Solisten in den vier Ecken - die Violine links vorn, die Flöte rechts vorn, die Oboe links hinten und die Trompete rechts hinten; die Streicher sitzen im Kreis. In den anderen fünf Konzerten gibt es ähnliche Aufstellungs-Überraschungen. Der Höreindruck ist frappierend, weil man Stimmen in ihrem Verlauf verfolgen kann, wie das im frontalen Klangbild so plastisch nicht möglich ist. Und das ungewohnte Mittendrin-sein entpuppt sich schnell als ein neues Hörerlebnis, wie es sich im Konzertbetrieb nicht ereignet, wo der Hörer immer nur vor oder neben den Instrumentalisten sitzt, niemals mitten unter ihnen.
Einen wiederum eigenen Weg sucht der Tonmeister Johannes Wohlleben bei den experimentierfreudigen Bauer Studios in Ludwigsburg, die für Aufsehen erregende Produktionen bekannt sind: Der im selben Haus tätige Tonmeister Adrian von Ripka etwa betreut seit langem die immer wieder eindrucksvolle klangliche Aufbereitung der großartigen CD-,Hörfilme" Stefan Winters für das Label Winter&Winter. Eine moderne und hochwertige technische Ausstattung der Bauer Studios erlaubt es, Audio-DVDs 5.1 in 24 Bit und 48 kHz und parallel dazu Stereo in 16 Bit/48 kHz und 5. l in Dolby AC3 für Video-Player herzustellen. Neue Mehrspur-Produktionen des mit Bauer verbundenen Peregrina-Labels vermitteln (etwa mit der neuen Audio-DVD # PM 50245: "Postcard - Rosanna & Zelia") über den reinen Stereoeindruck hinaus ein packendes Rundum-Klangbild. Die Bauer Studios arbeiten gerade an einigen DVD-Produktionen auf dem hauseigenen Klassiklabel Animato."
Diether Steppuhn

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