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"Das Streichtrio Ysayes ist, obwohl in den siebziger Jahren einige wenige Male aufgeführt, de facto völlig unbekannt. Thomas Selditz, der Bratscher des Gaede Trios, berichtete trotz dieser frühen Versuche mit verständlichem Enthusiasmus, sie "hätten ein Streichtrio von Ysaye ausgegraben". Es würde noch etwas dauern, bis sie es spielen könnten, denn es gäbe keine Partitur, nur handschriftliche Stimmen. Das Werk stellt atemberaubende Anforderungen, keiner der drei Mitspieler kommt leichter davon als der Ausführende einer der berühmten Violin-Solo-Sonaten.
Das Streichtrio stellt sich bei dieser Einspielung als ein musikalisches Kleinod dar. Wüsste man nicht, von wem es stammt, käme man beim Hören zweifelsohne ins Schleudern. Faktur und Kolorit bewgen sich zwischen Spätromantik, Impressionismus und Schönberg-Umkreis. Erst die beschließende Presto-Stretta scheint leise auf das 19. Jahrhundert zurückzuweisen. Das Gaede Trio widmet sich diesem Fundstück mit der auch von ihren Schnittke- und Dohnanyi-Einspielungen gewohnten Eindringlichkeit, Sorgfalt und Kompetenz. Fesselnd!
Bei Beethovens D-Dur-Serenade op. 8 meiden sie zu Gunsten kammermusikalisch dichter, introvertiert wirkender Atmosphäre alle reißerischen Possen. Für manchen Hörer mag das - zumindest streckenweise - vibratoarme Spiel und schlank bis spröd wirkende Tongebung zunächst irritierend wirken. Bei längerem Zu- und Hineinhören erwächst gerade hieraus ein Gewahrwerden der geglückten Balance zwischen Eigenwirkung der Serenade und Intensität des Spiels. Hier blendet kein Klangparfüm."
Wolfgang Wendel

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