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"Mit großer Spannung hat man die dritte und vierte Folge der Beethovenschen Klaviertrios mit dem Abegg-Trio erwartet. Und da sie nun erschienen sind, läßt sich resümieren: Die ersten Eindrücke (vgl. FF 7/ 88) haben nicht getrogen, die hohen Erwartungen werden bestätigt, das 1976 in Hannover gegründete Ensemble darf als eines der großen deutschen Klaviertrios gelten. Individualität, Beweglichkeit im Zusammenhalt, Eigenständigkeit unter dem Zwang zur Kollektivität: Abgenutzten Interpretationsidealen wird zu neuem Leben verhelfen. Und zwar bemerkenswerterweise im Zeichen einer "Authentizität", die sich zunächst lediglich auf jene Beobachtungen Carl Czernys stützt, die dieser als Zeuge, Schüler und zeitgenössischer Beethoven-Interpret zu Papier brachte. Aber - und das macht die Statur des Abegg-Trios aus - man hat es auf mehr als die Erfüllung historischer Zeugnisse abgesehen. Czernys rasche Tempi (eine indirekte Bestätigung der Beethovenschen Metronomangaben, die es für diese Stücke nicht gibt) werden zwar befolgt und bilden zusammen mit dessen weiteren Ausführungen ein unanfechtbares Ge- rüst. Zugleich jedoch sucht das Ensemble mit zum Teil riskanten Mitteln eine Beethoven-Nähe zu erreichen, die um so überzeugender wirkt, je mehr man zum direkten Vergleich greift. Etwa mit dem Beaux Arts Trio, dessen klangschönes Spiel vieles auf- und zugleich zudeckt und dessen Sinn für Abgerundetheit über einige Kühnheit hinwegtäuscht, die etwa dem Opus 70 Nr. 2 den Ruf der Minderwertig- keit gegenüber der Nr. 1, dem "Geistertrio", eingetragen hat. Überhaupt wäre es an der Zeit, diesem Werk zum Zwecke der Aufwertung einen Namen zu geben."
Manfred Karallus

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