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Wäre der Klang dieser Einspielung nicht so bestechend klar und von einer so natürlichen Räumlichkeit - man könnte sie fast für eine historische Aufnahme halten. Denn die Brahms-Interpretation des Auryn-Quartetts betört den Hörer mit scheinbar (!) altmodischen Tugenden, die in der Epoche zackiger Tempi und knackiger Kontraste mitunter ein bisschen in Vergessenheit geraten sind.

Das gilt etwa für das wunderbar dichte Legato, mit dem die Streicher im Kopfsatz des c-Moll-Quartetts große, kantable und weiche Bögen spannen - dadurch wirken die Punktierungen nicht so zickig und kleinteilig, wie es sonst manchmal der Fall ist. Oder für ihren Umgang mit dem Tempo: Die Musiker nehmen sich Zeit, um melodische Linien expressiv auszusingen, ohne dabei auf der Stelle zu treten - ein Musterbeispiel für den geschmackvollen Einsatz von Rubati, unerlässlich in der romantischen Musik! Nicht minder genüsslich sind die feinen harmonischen und farblichen Wechsel der Brahms′schen Klangsprache ausgekostet. Man höre etwa die leise geflüsterte, aber dennoch ganz warm musizierte Wiederholung des Themas im langsamen Satz aus dem zweiten Quartett.

So entsteht hier eine anrührende, sehr ausdrucksvolle und dennoch ganz transparent geformte Einspielung, die zeigt, dass eine Formation, die seit 27 Jahren in derselben Besetzung spielt, von der reichen gemeinsamen Erfahrung profitieren kann, ohne dabei in Routine zu erstarren: Die Interpretation zeugt einerseits von einer reifen, meisterlichen Ensemblekultur und kündet andererseits unverkennbar von der tief empfundenen Liebe zur Musik. Ein Höhepunkt in der Diskographie des Auryn-Quartetts. Und eine der schönsten Brahms-Aufnahmen des gesamten Katalogs.



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