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Ein Glücksgriff
Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen - das "Auryn"-Amulett aus Michael Endes "Unendlicher Geschichte" sollte dem 1981 gegründeten gleichnamigen Quartett dabei behilflich sein und als Glücksbringer symbolisch Pate stehen. Ein Wunsch, der offenkundig in Erfüllung gegangen ist: Seit fast drei Jahrzehnten konzertieren die Musiker in unveränderter Besetzung. Nun sind ja Haydns Streichquartette selbst von einer Erzählfreude, kindlichen Unbekümmertheit, ja Verschämtheit, die in der eher als gedankenschwer geltenden Gattung ihresgleichen suchen und ohne weiteres von einem Talisman "beschworen" werden können. Auch der zwölfte der nicht chronologisch auf 14 Teile hin angelegten Gesamteinspielung mit den Quartetten op. 74 in D-, F-Dur und g-Moll lässt an tiefem Verständnis für diese Musik nichts zu wünschen übrig: Mit ihrem ausdrucksstarken und dennoch vollkommen durchsichtigen Spiel, der wachen Neugierde und einer fast spielerischen Rhetorik verleihen sie den Anfangssätzen, insbesondere dem Allegro aus dem C-Dur-Quartett, regelrecht Flügel. Die Andante-Sätze sind von einer warmen Kantabilität durchdrungen, alles strömt und fließt, ohne jedoch je romantischen Überschwang anklingen zu lassen. Die Menuett- und Finalsätze wiederum pulsieren vor Kraft und Frische - ohne es indes auch hier an gesanglichem Kolorit fehlen zu lassen. Haydns reichhaltige Ausdruckspalette, die von den Belcantovirtuosen seiner Epoche angeregt ist, kommt in der Einspielung voll zur Entfaltung.
R. Sala

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