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Modellaufnahmen
Das Stuttgarter Label Tacet erinnert an den bedeutenden Schönbergpianisten Eduard Steuermann.

Arnold Schönberg bestand darauf, er schreibe keine Zwölf-Ton-Musik, sondern Zwölf-Ton-Musik. Was das bedeutet, erfährt man jetzt durch eine CD, die die 1957 entstandene Gesamteinspielung von Schönbergs wegweisendem Klavierwerk durch Eduard Steuermann (1892–1964) wieder zugänglich macht. Steuermann, als Pianist Busonischüler, als Komponist Schönbergschüler, stand dem Meister zeitlebens besonders nahe.

Was wir hören, sind Modellaufnahmen jenseits aller dogmatischen Verhärtungen. Steuermann spielt Schönbergs fünf Klavieropera, die die Entwicklung vom Expressionismus der freien Atonalität bis zur souverän beherrschten Reihentechnik begleiten, mit akribischer textanalytischer Strenge – kompromisslos, aber dennoch nuanciert und mit Zwischentönen. Er legt Nachdruck auf Deutlichkeit der musikalischen Logik undTransparenz der formalen Struktur, zugleich auf kantable Linienführung. Selbst die oft trocken wirkende Suite op. 25 mit ihrem Rückgriff auf barocke Formen belebt er mit wunderbarem Espressivo-Anschlag und warmem Klang. Nicht zuletzt ist es diese bruchlose Einheit aus intellektueller Beherrschtheit und gestalterischer Sensibilität, die Steuermanns Spiel zu einer lehrreichen Schule in Neuer Musik macht.

Ergänzt wird die Wiederveröffentlichung durch ausgewählteWerke und Transkriptionen des Komponisten Steuermann. Die Klaviersuite, vorgetragen von Thomas Hell, erweist ihn als eigenständigen Vertreter der Schönbergschule, der die Prinzipien des Vorbilds mit romantischer Farbigkeit zu verbinden weiß. Unter den Transkriptionen für zwei beziehungsweise drei Klaviere ragt die schmissige Paraphrase über "Die Fledermaus" heraus. Das weit vom Original sich entfernende Arrangement beweist, wie ernst Steuermann das Bekenntnis nahm, die neue Musik aus dem Geist der alten zu spielen. Er war – so sein Klavierschüler Adorno – ein "heimlich Gerechter der Musik" und ein großer Interpret.

Uwe Schweikert

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