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Es gibt viele (nicht haltbare) Gründe, die Sonaten des Neapolitaners Domenico Scarlatti zu unterschätzen: ihr zumeist überschaubarer zeitlicher Umfang, ihre vermeintliche Ähnlichkeit, die von ihnen generierte Atmosphäre des Spielerischen und der Leichtigkeit. Erst der zweite Blick auf diesen hermetischen Kosmos aus über 500 Preziosen lässt erahnen, auf welche Herausforderungen sich der geneigte Interpret einlässt. Wenige haben zu überzeugenden Exegesen finden können, viele sind an diesen komplexen Kleinodien gescheitert.

Scarlattis Sonaten stehen für nichts weniger als die Feier der Nuance. Sie sind Inbegriff von Differenz. Erst in der skrupulösen Auffächerung von Details zeigen diese vollendeten Miniaturen ihre Größe, zeitigen Erkenntnis und geben ihre Geheimnisse preis. Nicht vielen Pianisten sind Ruhe, sensitives Potential, handwerkliches Vermögen und die angemessene Demut gegeben, sich entsprechend den Anforderungen auf die fernen Umlaufbahnen des Scarlattischen OEuvres einzulassen. Zu denen, die sich die Sonaten sinnstiftend zu eigen gemacht haben, zählen Pianisten wie Horowitz, Weissenberg, Pogorelich, Sudbin, Ciccolini, Zacharias oder Haskil.

Seit 2011 befasst sich zudem der Göttinger Pianist Christoph Ullrich mit dem opulenten Projekt einer Gesamteinspielung. Er ist, das zeigen die bereits vorliegenden Teile des Projekts, der richtige Mann für diese Mammutaufgabe. Denn Ullrich arbeitet nicht ab, er fasst jede einzelne Sonate ins Auge, erkennt deren ureigenen Charakter, vertieft sich in Details und vermag dank atemberaubender handwerklicher Fertigkeiten, einem vielgesichtigen Anschlagsspektrum und einem enormen Sensus für Farben jede dieser Sonaten als solitäres Kunst-Werk darzustellen. Auch Volume 14 der Edition gehört auf die Liste fürs Weltkulturerbe.

Martin Hoffmeister

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