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--> zur Originalkritik

Kurze Werke werden gern einfach als Zugaben und damit als leicht abgetan. Und wenn man denn etwas erwartet, dann das Virtuosenhafte. Dass es sich um werthaltige, künstlerisch (und teilweise auch technisch) anspruchsvolle Werke handelt, eröffnet sich nur dem, der sich die Mühe macht, sich diese Welt mit Geduld und Liebe zu erschließen.

Dabei geht das Phänomen über diese ‘Petitessen’ hinaus. Wer Musik nur technisch und ohne Herz und Verstand spielt, ist austauschbar und wird auch so wahrgenommen. Das ist leider im Musikbetrieb (allein das Wort ‘Betrieb’ ist ja schon bezeichnend) heute die große Mehrheit.

Diese Zusammenstellung von 19 Stücken ist dagegen ein Ereignis, dass sich möglicherweise nicht unmittelbar erschließt. Beim ersten Hören mag der Konsument genau das Auftrumpfende, herausgeputzt Plakative vermissen. Wenn er sich aber selber die Zeit nimmt, zum Zuhörer zu werden und seine eigene innere Ruhe zu entwickeln und die Musik auf sich wirken zu lassen, wird er die Schönheit und den Reichtum dieser Aufnahme genießen.

Mit dem ehemaligen Konzertmeister der Wiener Philharmoniker und Geiger des Gaede Streichtrios hat hier ein Künstler sein Herz geöffnet und abseits des Eventglimmers, aber auch weit entfernt vom anrührendem Gestus, eine schlanke und doch so kraftvolle Interpretation dieser Kleinoden präsentiert, die einfach höchstes Lob verdient.

Unterstützt wird Daniel Gaede mustergültig in zweifacher Hinsicht: Da ist zunächst sein Partner am Piano, Wolfgang Kühnl. Diesem gelingt die Balance zwischen Begleiter und gleichwertigem Künstler, der ein intensives Gespräch zweier Partner mitgestaltet. Zum anderen ist es die Technik der Röhrenaufnahmen. Die vom Label Tacet produzierte Reihe mit transistorfreien Aufnahmen hat hier ein mustergültiges Klangbild hervorgebracht.

Uwe Krusch

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