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--> zur Originalkritik

Es wird gerne vergessen, dass Wilhelm Furtwängler ein enthusiastischer Komponist war und sich im Laufe seiner Dirigentenkarriere immer wieder zurückgezogen hat, um eigene Musik zu komponieren. Er tat das ganz in der Linie Beethoven-Brahms und in kolossalen Dimensionen.

Sein Klavierquintett hat die Länge einer Bruckner-Symphonie. Furtwängler hat mehr als zwanzig Jahre lang, von 1912 bis 1935, an dem 80 Minuten langen Werk gearbeitet, und dennoch kann man dem Stück seine innere Geschlossenheit und seine ausgereifte Architektur nicht absprechen. Es ist eine spätromantische und symphonisch angelegte Kammermusik von großer Ausdrucksdichte: ein gewichtiges und pathetisches Werk mit drei etwa gleichlangen Sätzen.

Furtwängler bezeichnete sich selber als Tragiker und entsprechend expressiv ist seine Musik. Das Molto Allegro rauscht manchmal gewaltig auf, enthält aber ruhigere Teile. Das ‘Clarens Quintett’ spielt den Satz sehr kraftvoll und i1ntensiv und man hört ihn mit Interesse, aber dieser erste Satz ist noch nichts im Vergleich zu dem nachfolgenden Adagio, in dem die Musik eine ergreifende Tiefe erlangt.

Den dritten Satz hat er Komponist mit Ruhig gemächlich und heiter überschrieben. Das ‘Clarens Quintett’ gibt sich damit freilich nicht zufrieden. Es geht auch hier sehr tiefschürfend an die Musik heran und macht bei aller Ruhe auch noch Unruhe in der Musik aus, die spannungsvoll gespielt wird und deren mysteriöse Seite ebenfalls noch eine Rolle spielt.

Kein einfaches Werk also, aber eine Musik, mit der man sich auseinandersetzen kann und soll, umso mehr als die 2003 auf 2 CDs veröffentlichte Aufnahme nun auf einer Blu-ray Audio im ‘Real Surround’ verfügbar ist und ein komplettes Eintauchen in Furtwänglers Klangwelt erlaubt.

Remy Franck

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