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Bereits aus dem Jahr 2005 stammt die Einspielung von Mussorgskys "Bildern einer Ausstellung" des österreichischen Pianisten Markus Schirmer. Und nun kommt sie bei dem Label TACET, das bekannt ist für eine grandiose Klangtechnik auch als LP auf den Markt. TACET hat viel Erfahrung mit dem Abmischen für LPs, und so ist auch diese LP in zweierlei Hinsicht ein wirkliches Hörerlebnis. Zum einen natürlich durch die wirklich gelungene Gestaltung dieses so berühmten Zyklus durch den Pianisten, der die bekannten Charakterdarstellungen der in Klang umgesetzten Gemälde des Mussorgsky-Freundes Viktor Hartmann (der im LP-Text als Gartmann bezeichnet wird [Anm. TACET: diese Schreibweise ist ebenfalls möglich]) mit großer Emphase spielt. Vielleicht fehlt dem ein oder anderen Hörer die oftmals von anderen Interpreten gezeigte draufgängerische und lautstarke Darstellung. Doch das ist Schirmers Sache nicht. Zwar vermag auch er wuchtig in den Aussagen zu werden, aber ihm ist mehr an der verinnerlichten Sicht des Betrachters auf die "Bilder" gelegen. Bereits die die Charakterdarstellungen verbindenden "Promenaden" sind bei ihm ruhige und nicht emotional übergestaltete Zonen, die allein den Gang zwischen den Gemälden darstellen sollen. So gestaltet Schirmer mit Ruhe und Umsicht die Musik, die auf diese Weise einen vollkommen neuen Höreindruck vermittelt.

Doch das zweite Besondere an dem Hörerlebnis dieser LP ist die B-Seite. Denn TACET hat bereits vor vielen Jahren erkannt, dass aufgrund der Enge zur LP-Mitte hin, die Auslenkung der Rillen für größere Lautstärken diffiziler wird. So hat man sich dazu entschlossen, LPs im Backwards-Verfahren zu pressen, also so, dass die Nadel in der Mitte aufgesetzt wird und nach außen läuft. Auf diese Weise kann man gegen Ende einer Einspielung ein größeres Volumen erreichen. Das passt natürlich in diesem Zyklus besser als in anderen. Zudem hat TACET diese LP im Halfspeed-Verfahren überspielt, was zu einem größeren Frequenzbereich führt. Und es funktioniert! Die Klarheit und das voluminöse Klangbild, das diese LP vor allem gegen Ende des Zyklus bereithält, sind erstaunlich. Wuchtig der Bassbereich und dennoch klar die Höhen. Und Schirmer zelebriert "Das große Tor von Kiew" am Ende des Zyklus mit eben derselben Ruhe und Transparenz, die diesem Klangbild entspricht. Es ist ein wahrlich unrussischer Mussorgsky, der da erlebt werden kann, aber einer, der durchaus emotionale Stärken aufweist und damit zu einem anderen, einem neuen Hörerlebnis führt. Und wenn man eine LP auf den Markt bringt, dann sollte sie immer wenigstens so gut klingen wie diese von TACET

Carsten Dürer

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