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--> zur Originalkritik

Es gibt genügend Aufnahmen von Dvoráks „Neuer Welt“-Sinfonie, dennoch kommen gelegentlich Einspielungen hinzu, die zumindest in Details neues Licht auf diesen Evergreen werfen. Vielleicht muss man dazu eine andere Perspektive einnehmen, wie András Keller, von Haus aus Geiger und als solcher Gründer des nach ihm benannten Streichquartetts. Doch inzwischen leitet er auch das Concerto Budapest.

Es gibt genügend Aufnahmen von Dvoráks „Neuer Welt“-Sinfonie, dennoch kommen gelegentlich Einspielungen hinzu, die zumindest in Details neues Licht auf diesen Evergreen werfen. Vielleicht muss man dazu eine andere Perspektive einnehmen, wie András Keller, von Haus aus Geiger und als solcher Gründer des nach ihm benannten Streichquartetts. Doch inzwischen leitet er auch das Concerto Budapest. Nach Bruckner 9 folgt nun Dvorák 9, und wieder gilt es, der hohen Musikalität dieser Einspielung Anerkennung zu zollen. Aller sinfonischen Einheitsglasur erteilt Keller von der langsamen Einleitung an eine Absage. Kammermusik lautet die Devise. Das bedeutet: den Sinn für Feinheiten schärfen, Nuancen herausarbeiten, die Balance wahren. So ergibt sich, auch im gesanglichen zweiten Satz, eine eigene Handschrift, mit der das Orchester Dvoráks Partitur innerlich zum Leuchten bringt. Daher bollert der dritte Satz nicht, er tänzelt. Immer wieder ergeben sich kurze Dialog-Situationen zwischen Instrumenten und Instrumentengruppen und unerwartete Erzähl-Szenen, die geprägt sind von präzisen Rhythmen, von plötzlichen Einschüben oder lang tragenden Bögen. Selbst der Beginn des Finalsatzes erhält einen eigenen Schwung, sogar dem kraftvollen Hauptthema haftet etwas Leichtes an.
Ergänzt wird das Programm um zwei Werke mit Solo-Cello – Waldesstille und Rondo op. 94 (mit dem sehr innig agierenden Miklós Perényi) – sowie um drei Slawische Tänze aus op. 46. Auch hier federt es (sehr oft) licht und leicht, arios und frei von Ballast. Die Aufnahme überzeugt durch Individualität im Ansatz und Konsequenz in der Durchführung. Aufnahmetechnisch schließt die SACD an dieses Niveau an.

Christoph Vratz

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