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"Günter Wand hat es einst mit seiner Orchesterarbeit vorgeführt, Eric Ericson demonstriert es auf dem Gebiet der Chorleitung nicht minder eindrucksvoll, und nun zeigt es auch das Bartók-Quartett für den Bereich der Kammermusik: Das Gespür für die richtigen Temporelationen ist offensichtlich doch (auch) eine Frage des Alters.
Die vier Mitglieder des ruhmreichen, 1957 gegründeten Ensembles lassen sich Zeit - viel Zeit sogar -, wenn es gilt, die zahlreich vorhandenen melodischen Reichtümer der Werke Tschaikowskys auszukosten. So wie etwa im "Andante cantabile" seines ersten Quartetts, in dem jedes Phrasenende zärtlich ausgesungen, jeder Ton geradezu liebkost wird von den herrlich klingenden Instrumenten. Dabei erstirbt die Interpretation jedoch keineswegs in Schönheit oder zerfällt gar in ihre Einzelteile. Im Gegenteil: Durch feine Verzögerungen vor wichtigen Einschnitten wie dem Beginn des Seitenthemas (dessen Gestaltung als Musterbeispiel für ein organisches Rubato gelten kann) oder dem Repriseneintritt im Kopfsatz desselben Werkes tritt die formale Struktur noch sinnfälliger zu Tage. Gleichzeitig ist die reife, aber niemals routinierte Darstellung der vier Ungarn von einem warmen expressiven Leuchten durchglüht, das den hierzulande oft unterschätzten Kompositionen eine ungeahnte emotionale Tiefe verleiht.
Der anrührend beseelte Musiziergestus dieser hinreißenden Aufnahme trägt (für mein Empfinden!) mühelos über die unüberhörbaren intonatorischen und rhythmischen Schwächen hinweg. Ein gelungenerer Start für die bewusst ein wenig rückblickende Reihe "Summary" von Tacet wäre kaum denkbar."
Marcus Stäbler

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