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"Seelentrip in unerforschte Bereiche
... Leider steht ja die Gattung Streichtrio immer etwas im Schatten des übermächtigen Streichquartetts, feste Ensembles dieser Art sind, natürlich auch wegen des beschränkten Repertoires, eher selten. Was sich aber ereignen kann, wenn sich drei Musiker vom Kaliber eines Daniel Gaede (Violine), Thomas Selditz (Viola) und Andreas Greger (Violoncello) zusammenfinden und diese Musik mit einer musikalischen Intensität und technischen Akkuratesse erarbeiten, die der eines Weltklassequartetts in gar nichts nachsteht, das ist schon mehr als überraschend. Ludwig van Beethovens Serenade etwa wird oft einfach so gespielt, wie es der Titel nahe zu legen scheint: oberflächlich, leicht, gefällig, aber mit wenig Gespür für die Abgründe und die hintersinnige Intellektualität, mit der Beethoven hier die Serenadenform behandelt. - Das Gaede Trio aber verleiht dieser Musik die Ernsthaftigkeit und den "hohen Ton", die ihr gebühren. Fast besessen in seiner tonlichen Differenziertheit, wie das Trio etwa den Kontrast zwischen der herb-süsslichen Melodie im Adagio und dem karikaturhaft vorbeihuschenden angeschlossenen Scherzo herausarbeitet. Und wenn Beethoven einmal, wie im Allegretto alla Polacca, tatsächlich relativ simple Akkordfortschreitungen verwendet, dann klingt auch dies im Umfeld dieses hochreflektierten Musizierens wie eine Schlichtheit, die sich quasi ihrer selbst immer bewusst ist.... - Die eigentliche Sensation auf dieser CD aber ist das Trio von Eugène Ysaye. Den meisten ist Ysaye nur als Komponist von horrend schweren Violinsonaten ein Begriff. Die Kammermusik ist noch weitgehend unbekannt, jenes Trio bis heute etwa noch nicht einmal gedruckt. Mit dieser Veröffentlichung könnte sich da schon etwas ändern - ja, der Rezensent glaubt behaupten zu dürfen, dass dieses Trio eines der großartigsten Kammermusikwerke ist, die in diesem Jahrhundert geschrieben wurden. - Der Komponist Ysaye nimmt den Hörer in den knapp zwanzig Minuten, die das Stück dauert, mit auf eine Reise, die, ähnlich wie die Musik Alban Bergs, auch noch die entlegensten Seelenbereiche aufspürt und in Klang transformiert. Das Ausdrucksspektrum ist einfach gewaltig: Es reicht von bitterster Trauer bis hin zu einer beinahe psychedelisch anmutenden Ekstase. Schließlich endet das Werk in einer atemberaubenden Parforce-Stretta, die den Hörer gleichermaßen erschöpft wie beglückt zurücklässt. Und mit welch rückhaltloser Hingabe und gestalterischer Souveränität das Gaede Trio das Stück spielt, das ist einfach und schlichtweg phänomenal."

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