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"Antonin Dvorák wird gern als "böhmischer Erzmusikant" bezeichnet und das mit einem leicht despektierlichen Unterton. Man lobt den nationalen Ton von Dvoráks Musik und spricht ihr doch in gleichem Atemzug, ihrer vermeintlichen Naivität halber, die kompositorische Qualität und die Fähigkeit zur "Tiefe" des Ausdrucks ab. In der vorliegenden CD-Einspielung mit dem Abegg-Trio wird der Komponist Dvorák endlich nach Gebühr ernst genommen. Das spezifische Idiom Dvoráks verführt das Abegg-Trio nirgends zu vordergründigem "Böhmakeln". In der Interpretation des B-Dur-Klaviertrios op. 21 meint man eine Synthese aus Beethovens männlichem Ernst. Schumanns Schwung und Schuberts lyrischem Kreisen und harmonischem Sehweifen zu vernehmen. Nur im "Allegretto scherzando" mit seinem Polkaton darf nationales Kolorit deutlicher zum Tragen kommen. Noch faszinierender gelingt dem Abegg-Trio die Einspielung des allbekannten Dumky-Trios. Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Cello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) nehmen sich anfangs sogar noch mehr Freiheiten, als die Partitur ohnehin gestattet. Fast überfallartig wirkt ihr Werkeinstieg, bevor sie intahlcni Vcid.in fahlem Verdämmern die Musik ins vorgeschriebene Lento maestoso einmünden lassen. Von gemütlichem Mittelmaß ist nichts zu spüren; die Ausdrucksbereiche des Schnell-Tanzhaften und des Langsam-Balladesken werden auch in der Folge stark polarisiert. Die Musiker des Abegg-Trios lassen sich Zeit für die Stellen kahler Ereignislosigkeit und stehender Klänge in Dvoráks Partitur, sie finden zu einer wunderbaren Erzählhaltung. deren Tempi sich je nach dem Gang der Handlung dramatisch zuspitzen können, um dann wieder in eine gelassene Ruhe einzumünden.
Die Mozarteinspielungen des Abegg-Trios sind von der Fachkritik als "Referenzaufnahmen" bezeichnet worden. Gleiches kann man für die interpretatorische Leistung auf der vorliegenden Dvorák-CD sagen, der hoffentlich eine ebenso hochrangige Aufnahme der beiden anderen Dvorák-Klaviertrios folgen wird."
Gerhard Dietel

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