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"Der Pianist rotiert. Nicht irgendwie übertragen gemeint, weil die Kritiker so enorm schlecht oder - wie in unserem Fall die Regel - so enorm gut über ihn schreiben. Nein, Christoph Ullrich rotiert ganz leiblich zwischen jeweils einem Stück Bach und einem Stück Cage um 180 Grad auf seinem Klavierstuhl, zwischen einem naturbelassenen und einem präparierten Flügel. Das Januskopf-Programm seiner neuesten CD mit einer Auswahl von dreistimmigen Inventionen und Partiten-Sätzen von Bach iim Wechsel mit Sonatas and Interludes von John Cage ist typisch für diesen exzellenten Frankfurter Pianisten. Typisch, weil es rare Einzelteile nicht einfach nebeneinander, sondern zueinander in Beziehung setzt. Typisch aber auch, weil es schlichtweg herausragen gut interpretiert ist. Bachs Inventionen klingen hier nicht schwerer, als sie eigentlich spieltechnisch sind, aber sie klingen ungemein edel. Und die Sonaten für das prepared piano haben bei Ullrich nichts von Bruitismus, sein Cage-Klavier tönt üppiger als in den meisten anderen Einspielungen.
Janus hat zudem Worte. Die sind von Cage selbst (Vortrag über nichts), von Gertrude Stein (in Ernst Jandls Transkription ins Wienerische), von manch barockem Dichter und dem wohl unvermeidlichen Saint-Exupéry. Obwohl von Moritz Stoepel meisterhaft rezitiert, müssen nicht alle Textintermezzi gleich gut passen - dem einen mögen sie, schreibt Christoph Ullrich im Beiheft, "zur Verwirrung beitragen, dem anderen zur Verklärung". Bei Janus, Cage, Ullrich und Bach muss man immer offen sein für die ganzen 180 Grad."
ick

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