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Man kennt ihn als Mitglied des Gaede-Trios und als Klavierpartner von Danjulo Ishizaka, Renaud Capuçon oder Clemens Hagen. Aber der Grazer Pianist Markus Schirmer hat sich auch als Solist einen Namen gemacht. Für seine erste CD mit Musik von Schubert, einen seiner heißgeliebten Komponisten, erhielt er den "Preis der deutschen Schallplattenkritik". Auch seine nachfolgenden Aufnahmen wurden international viel beachtet und teilweise mit Preisen ausgezeichnet. Vor fünf Jahren veröffentlichte Schirmer eine begeistert aufgenommene Beethoven-CD. Nun setzt er, nach langer Zeit, seine Beethoven-Aufnahmen mit den mittleren Sonaten fort.

Beethoven war ein rastloser und leidenschaftlicher Geist. Viele seiner Werke sind geprägt von Energie und dramatischer Kraft. E.T.A. Hoffmann schrieb über die Fünfte Sinfonie: "Beethovens Musik bewegt die Hebel des Schauers, der Furcht, des Entsetzens und erweckt jene Sehnsucht, die das Wesen der Romantik ist." Auch in den Klaviersonaten ist dieser stürmische Geist spürbar, besonders in den mittleren Sonaten, die Schirmer für seine zweite Beethoven-CD gewählt hat: die Waldstein-Sonate mit ihrem repetitiv-drängenden Charakter und zwei Sonaten aus Opus 31.

Die drei Sonaten Opus 31 waren von Beethoven ursprünglich nicht als ein in sich geschlossener Zyklus gedacht und wurden tatsächlich auch einzeln veröffentlicht. Ausgerechnet die zweite Sonate, die sogenannte "Sturm-Sonate", spart Schirmer jedoch aus. Doch so überraschend dieser Verzicht ist, er passt zum Beethoven-Bild, das der Österreicher zeichnet: Er stellt das Stürmische zwar dar, vermeidet aber jede dramatische Überhöhung. Schirmer entwickelt die Musik aus sich selbst heraus. So entgleist Temperament nicht zu wildem Furor und die lyrischen Passagen ersticken nicht in süßlichem Pathos, sondern behalten ihre schlichte Schönheit.

Eine große Genauigkeit zeichnet Schirmers Beethoven aus: Da sind zum einen seine klangliche Klarheit und wohlüberlegte Gestaltungskraft, die den großen Bogen im Blick hat, zum anderen seine sehr präzise Umsetzung der Satzbezeichnungen. Schirmers Grazioso ist wirklich anmutig und leicht, ein Presto con fuoco ist bei ihm nicht einfach nur schnell, sondern hat auch ordentlich Pfeffer. Doch bei aller Texttreue haben Schirmers Interpretationen auch das Maß an Tiefgang, das in Beethovens Musik steckt. So spürt er im Adagio der Waldstein-Sonate der Zerrissenheit und Verzagtheit dieses Werkes nach. Gefühl und Intellekt, Klang und Formempfinden machen diese Beethoven-Aufnahmen so reizvoll, die Schirmer am Fazioli-Flügel präsentiert. Bleibt zu hoffen, dass wir nicht wieder fünf Jahre auf seine nächste Beethoven-CD des Grazers warten müssen.
Chantal Nastasi

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