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"Schon die Einleitung „poco sostenuto“ zu Beethovens siebter Sinfonie lässt aufhorchen: Man ist sie eher langsam, gemessen gewohnt; hier aber wird sie schon recht bewegt und ganz ohne falsche Schwere musiziert. Dann folgt ein wunderbar pulsierendes, sehr drängendes Vivace. Diese Haltung, Beethoven immer sehr animiert, gespannt, akzentuiert und pointiert zu nehmen, ohne dabei in ein Gleichmaß zu verfallen oder das Tempo an sich zum Parameter der Interpretation zu machen, prägt die Aufführung beider Sinfonien. Mit solcher Spielfreude, Munterkeit und einer Dramaturgie, bei der die Details des Satzes nicht verloren gehen, habe ich Beethoven hierzulande nur mit der Bremer Kammerphilharmonie unter Leitung von Paavo Järvi erlebt. Die polnische Kammerphilharmonie spielt ihren Beethoven frei von falscher Heroik, teils ungestüm im Gestus, zupackend und inspiriert, sinfonisch und kammermusikalisch.
Die technische Besonderheit dieser Produktion, die im Juli 2005 in der Kirche Stella Maris in Sopot (Polen) entstand, besteht in ihrem Aufnahmeverfahren. Mittels des 1999 entwickelten „Tacet Real Surround Sound“ soll der gesamte Hörraum für das musikalische Erlebnis genutzt werden. Zu diesem Zweck ist das Orchester rund um den Hörer herum platziert – vorne Hörner, Pauken und Holzbläser, hinten die Streicher und ganz hinten die Trompeten. Bei der siebten Sinfonie sitzen erste und zweite Violinen einander gegenüber, bei der achten nebeneinander. Die „Tube Only“-Technik mit nur zwei Röhrenmikrofonen, einem Röhrenverstärker, zwei passiven Reglern und Wandlern schafft eine kurze Übertragungskette. Das „wahre“ Ergebnis, Rundumklang also (5.1-Version), kann man indes nur mit einer Anlage hören, die über 5 (bzw. 6: Subwoofer) Lautsprecher verfügt. Doch auch in „konventioneller“ Stereophonie mit zwei Boxen klingt dieser Beethoven plastisch, direkt, voll, dabei immer transparent. Nach diesem furiosen Auftakt ist man gespannt auf die folgenden Beethoven-Aufnahmen der Polnischen Kammerphilharmonie mit Wojciech Rajski."
Peter Heissler

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