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Höchstnote
"Goethejahr 1949: Ernst Pepping (1901-1981), der vor allem mit seinem kirchenmusikalischen Schaffen nachhaltige Spuren in den vielfältigen Strömungen zeitgenössischer Kunst hinterlassen hat, widmete sich damals einer waghalsigen, weltlichen Aufgabe. Aus dem riesigen Fundus der Gedichtsammlungen Goethes filterte er ein Konzentrat von 27 Texten quer durch alle Themen und Gattungen aus der schier überquellenden Fülle von Oden, "Liedern", Sprüchen und Hymnen bis hin zu den Venezianischen Epigrammen und Beiträgen aus dem West-Östlichen Divan des großen Weimarer Poeten heraus. Damit nicht genug, wurden nahezu alle gedankenschweren und mit mancherlei metaphorischen Hintergründen befrachteten Ergüsse dichterischer Lyrik zusätzlich durch eine nicht minder gedankenschwere, metaphorische Tonsprache zu einer regelrechten Herausforderung an die Interpreten und ihre Zuhörer hochstilisiert.
Diesen Anforderungen einer "Mehrfach-Rezeption" von Worten, Inhalten und zeitgenössischem Klangdenken in denkbar anspruchsvoll verklausulierter Kontrapunktik, Rhythmik, simultaner Wortüberlagerung und herber Polyphonie stellt sich nun der fähige, begabte und auf eine in jeder Hinsicht feinsinnige Detailstrukturierung bedachte Chorleiter Matthias Jung mit seinen meisterhaften, mehrfach prämierten Vokalisten des Sächsischen Vocalensembles. Schon der Respeckt vor dem Resultat einer hier zu hörenden, makellosen Höchstleistung an Interpretation und Perfektion der Werkwiedergabe fordert die Bestbewertung des Ergebnisses heraus. Dazu gehört aber auch der Wagemut der Produktionsfirma, hier einer spürbar im Schatten der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts dahindämmernden Goethe-Würdigung (trotz vieler "sperriger" Eigenheiten) die Chance der Begegnung als klingende, ungekürzte Gesamtaufnahme - dank außerordentlich fähiger und einsatzbereiter Chorsängerinnen und Sänger - eingeräumt zu haben."
Gerhard Pätzig

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