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Wie es wirklich klang

Der Stuttgarter Tonmeister Andreas Spreer entlockt den hundert Jahre alten Welte-Mignon-Rollen Klänge, die aus dem Studio von heute zu kommen scheinen. Das wirft ein völlig neues Licht auf den 1905 gerade 23-jährigen Arthur Schnabel. Alles, was sonst an historischen Aufnahmen stört, ist wie weggewischt, und wir können uns beim Hören ganz dem unmanierierten, klar strukturierten, manuell bravourösen Spiel des großen Pianisten überlassen.
Denn schon hier kehrt Schnabel bei der Wahl der durchgängig kurzen Stücke nicht den Virtuosen, sondern den Musiker hervor. Schuberts berühmtes As-Dur-Impromptu findet sich da neben dem wunderbar eigenwilligen zweiten der späten Klavierstücke D 946, Brahms’ wie schwebend deklamiertes Intermezzo C-Dur op. 119 neben Petitessen von Bach und Chopin. Das herbe g-moll-Nocturne des Wahlfranzosen, den Schnabel nicht sonderlich schätzte, spielt er mit geradezu schwärmerischer Strenge.
Carl Maria von Webers "Aufforderung zum Tanz", die man selten im Klavieroriginal hört, sowie Walzer von Schubert, Lanner und Josef Strauß fügen dem Porträt des jungen Meisters eine ganz eigene Note hinzu. In ihrer Mischung aus unsentimentaler Schlichtheit und pulsierendem Herzschlag sind es Perlen in Arthur Schnabels diskografischem Vermächtnis.
usc

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