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"Musikbeispiel: Gesang der Frühe op-133,1. In fast schon religiöse Gefilde taucht dieser Satzab: Langsam und feierlich ist er überschrieben. Es ist der erste Satz aus den "Gesängen der Frühe" op. 133 von Robert Schumann. Im Original ist er für Klavier solo - hier hörten wir ihn in einer Triobearbeitung. Die Gesänge der Frühe entstanden Mitte Oktober 1853 und gehören mit zu den letzten Kompositionen Schumanns. In ihnen spiegelt sich der tiefe Eindruck, den die ersten Klavierwerke des jungen Brahms bei Schumann hinterlassen haben - die nachträgliche Einbeziehung von Violine und Violoncello trägt dazu bei, daß sich Ruhe und Erhabenheit dieser wenigen Takte noch mehr Raum verschaffen.
Mit diesem Satz klingt die neue CD die Abegg Trios aus, auf der wir Kammermusik von Claraund Robert Schumann finden. Von Robert sind es ausschließlich Bearbeitungen für Klaviertrio: neben dem gerade gehörten Gesang der Frühe sind es die Violinsonate a-moll und die Impromptus über ein Thema von Clara Wieck. Von Clara hat das Abegg Trio das große g-moll-Trio op. 17 produziert. Erschienen ist die CD bei der Firma TACET.
Clara Schumann schwankte angesichts dieses Trios zwischen Euphorie und tiefer Resignation. Daß sie als überragende Pianistin anerkannt war, stand für sie außer Frage, ihr kompositorisches Talent jedoch zweifelte sie immer wieder an. "Ich spielte heut abend," notierte sie am 18. November 1846 in ihr Tagebuch, "ich spielte heut abend Roberts Klavierquartett und mein Trio, das mir, je öfter ich es spiele, je unschuldiger vorkommt." Das Abegg Trio mit Ulrich Beetz, Violine, Birgit Erichson, Violoncello und Gerrit Zitterbart, Klavier sieht diese vermeindliche Unschuld und Naivität nicht: Das Abegg Trio spürt den nachdenklich-poetischen Klängen in diesem Trio nach, die nicht zuletzt das Finale durchziehen: Musikbeispiel: Clara Schumann, Trio g-moll op. 17, Finale.
Das Trio hat nicht umsonst dieses Werk ins Zentrum seiner neuen Produktion gestellt. In der Dramaturgie dieser CD spiegelt sich die - unterschwellig - bis zum Zerreißen gespannte Beziehung zwischen Clara und Robert Schumann: da ist die bis zur Selbstaufgabe gehende glühende Liebe des jungen Robert Schumann, der sich in langen Kämpfen gegen Claras Vater aufreibt. Die CD beginnt mit einer zarten Liebeserklärung Roberts: den Impromptus über ein Thema von Clara. Der Bogen spannt sich weiter über eine bearbeiteteViolinsonate und das Trio von Clara hin zu einem der Gesänge der Frühe, die an Johannes Brahms gemahnen, der zu Clara Zeit seines Lebens ein inniges Verhältnis hatte.
Die Musiker des Abegg Trios finden in der Kammermusik von Clara und Robert Schumann zu Klängen, die immer wieder nach innen gehen. Die Ebene des Extrovertierten, des Marktschreierischen meiden sie. Fein und weich zeichnen sie die Linienführungen nach. Nichts wird hier überzogen, nichts ins Reißerische gewendet. Dies ist nicht zuletzt das Ergebnis eines ausgeklügelten Aufnahmekonzepts: Laut Booklet hat der Produzent und Tonmeister Andreas Spreer lediglich zwei Mikrophone für die Aufnahme eingesetzt. Es gibt viel Produzenten, die hier bis zu sechs Mikrophonen aufbauen. Spreer setzt jedoch auf Natürlichkeit und ein offenes Klangbild. Dazu bedarf es eines speziellen Saales: Produziert wurde in der Festeburgkirche in Frankfurt am Main. Die leicht hallige Akustik dieses Raumes unterstützt den auf Poesie setzenden Interpretationsansatz des Abegg Trios: Musikbeispiel: Robert Schumann, Impromptus op.5 Soweit die Impromptus von Robert Schumann über ein Thema seiner Frau. Die beiden Klavierwerke sowie die Violinsonate von Robert Schumann, die auf dieser CD eingespielt wurden, sind mit sehr viel Respekt vor dem Original und auf der anderen Seite mit großem Einfühlungsvermögen in die Grenzen und Möglichkeiten einer Klaviertriobesetzung, ja soll ich sagen: "übertragen" worden. Natürlich veschieben sich die Gewichtungen, wenn etwa in der a-moll-Violinsonate neben der Violine eine zweite Streicherstimme, ein Cello, dazu "erfunden" wird. Friedrich Gustav Jansen, der die Violinsonate bearbeitet hat, läßt das Cello aus dem Klavierpart nahezu unmerklich heraustreten. Entweder koloriert es den begleitenden Klavierpart, oder aber es hebt jene Stellen hervor, die mit der Violine kommunizieren. Das Abegg Trio spielt meisterlich mit den so entstehenden Konstellationen. Hier kann und darf man sich als Musiker nicht festlegen, es ist eine Gratwanderung: nicht mehr Sonate, aber noch kein Trio.
Michael Krügerke

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