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Nachtmusik: Mit guter, alter Röhre
"Kompromisslose Musikphilosophen rümpfen über jegliche Tonaufnahmen die Nasen: Das weite Klangspektrum in der Unmittelbarkeit seiner physikalischen Entstehung, die Dynamik und Lebendigkeit des Musizierens, gar die augenblicksbezogene Ätherik und Einzigartigkeit eines Musikkunstwerks seien nur im Live-Konzert vermittelbar. Jede technisch auch noch so perfekte Konserve ist demnach bestenfalls ein Schatten des wahren Ereignisses - artifiziell, tönern und leblos.
Einen bemerkenswerten Beitrag zur unendlichen Debatte stiftet das kleine Stuttgarter Label Tacet mit Aufnahmen durch streng transistorfreie Technik, die ohne Chips und Bits auskommt, stattdessen mit alter, jedoch perfektionierter Röhren-Raffinesse arbeitet. Die nun erschienene CD der Polnischen Kammerphilharmonie mit Mozarts "Kleiner Nachtmusik" und drei Salzburger Symphonien darf als Referenz-Produkt solch audiophilen Unterfangens gelten.
Man hört einen wunderbaren Klangkörper, der zu den besten seines Landes zählt, mit gediegen klarer Artikulation, hoher Streicherkantabilität und musikantischer Verve - exquisite Rokoko-Unterhaltung also. Überraschend allerdings ist die affirmative Nähe des patinierten Klangbildes, die durch technische Brillanz offenbar weniger als üblich verstellt, kalt verfremdet wird. Nachprüfen könnten dies nur Zeugen des Aufnahme-Ereignisses. Aber als eine reizvolle Hör-Erfahrung, als vorzügliches Surrogat eines Live-Konzerts sei diese CD dem Kenner empfohlen. Wärmstens."
Wolfgang Hirsch

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