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Verklärung mit human touch
Von den Werken für Klarinette, die Johannes Brahms im hohen Alter geschrieben hat, ist das Trio op. 114 das am wenigsten eingängige. Nachpfeifen, beim Quintett etwa durchaus möglich, ist hier undenkbar. Und doch haben die Teile Form, Charakter, sind prägnant und musikalisch-logisch verbunden. Statt liedartig melodisch zu sein, ist die Musik sprachähnlich und, wie die interessante Recherche des Booklet-Autors Jan Reichow zeigt, mit dem «Deutschen Requiem» oder den «Vier ernsten Gesängen» verbunden. Die so mitschwingende Todesthematik verdüstert das Trio aber keineswegs es verströmt Seligkeit. Dieses Gefühl ist auch dem Spiel der Interpreten zu verdanken: dem Abegg Trio und dem Klarinettisten Martin Spangenberg. Besonders der dritte Satz, ein Andantino grazioso, stellt lichte Höhen auf tiefe, ruhige Bässe. Man hört notwendig verklammert Zuversicht und die Stimme tiefer Erfahrung. Der von Gerrit Zitterbart gespielte Hammerflügel aus der Werkstatt Streicher spiegelt das mit seiner nostalgisch klingenden Höhe und einem leichten, schimmernden Bassregister. Spangenbergs Klarinettenspiel hat weder human touch noch Erdkontakt verloren. Das ist nötig bei so viel Verklärung und lässt Brahms′ mitgedachten Gesang zu Wort kommen. Schade, dass das Cello in der halligen Akustik etwas untergeht. Des weiteren ist auf dieser herausragenden CD das 1924 entdeckte und in seiner Autorschaft umstrittene Klaviertrio in A-Dur enthalten. Benjamin Herzog

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