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--> zur Originalkritik

Evgeni Koroliov ist ein Meister des Klangs, ja ein Klangzauberer. Die CD mit Klavierstücken von Maurice Ravel lässt dies aufs Schönste hören. Magisch zieht seine feine Anschlagskunst den Hörer in den Bann. Die langsamen Sätze aus Miroirs und Gaspard de la nuit entfalten nicht nur verlockenden Schönklang, sondern bieten auch Höchstspannung, die aus Intensität und Genauigkeit erwächst. Beim Hören meint man zu sehen, wie Koroliov jeden Ton den ihm eigenen verlangten Klang gibt und alle Einzeltöne zu einem betörenden Spinnennetz knüpft, in dem man sich nur zu gern dem wohligen Schauder hingibt. Gleichzeitig ist alles so transparent wie ein Spinnennetz in der Herbstsonne, so hört man in Le Gibet jeden Akkord heraus und doch auch gleichermaßen alles im Gesamtklang.

Die frivol-müde und morbide Harmonik der Valses nobles & sentimentales adelt er mit Noblesse und Klangversunkenheit, ja –besessenheit und einer rhythmischen Gestaltung, die sowohl die elegische oder kapriziöse Überreife und die rhythmischen Verschleifungen als auch den trivialen Schwung des Walzers beherrscht. Koroliov nimmt alles, was er spielt, ernst und nicht als bloßes Mittel zur Virtuositätsdemonstration. Er zeigt, dass er nichts mehr zeigen muss. Bei ihm gibt es keine „renommierende Bengelei“, wie Heinrich Heine über reine Virtuosen spottete.

Klarheit und Klangfinesse zugleich strahlen auch aus jeder Note der Sonatine, deren Menuet scheint zu kreisen und schwerelos zu schweben, vibrierende Lebendigkeit durchzittert den Finalsatz. Und auch der so salongerechten Pavane verleiht Koroliov künstlerischen Ernst.

Zusammen mit seiner Frau Ljupka Hadžigeorgieva bildet Evgeni Koroliov das schon langjährig zusammenspielende Duo Koroliov. Sie klingen wie ein einziges Klavier in Ma mère l’oye, völlig im klanglichen und rhythmischen Einklang. Mit Schmunzeln hört man die Porzellanfigürchen tanzen, da liegt liebende Ironie mit im Spiel..

Rainer W. Janka


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