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Homogen zu fünft - "Fono Forum Tipp"

Da kann niemand kommen und sagen, dieses Haydn-Programm sei Nullachtfünfzehn. Neben drei Klaviertrios im klassischen Sinne enthält die neue CD des Abegg-Trios auch ein Quintett für Cembalo, 2 Hörner, Geige und Cello sowie das Es-Dur-Divertimento für Horn und zwei Streicher. Dass hier gleichermaßen Könner wie Kenner am Werk sind, zeigt bereits der Eröffnungssatz des A-Dur-Trios (Hob. XV:18), in dem scheinbare Haydn’sche Leich¬tigkeit mit grimmiger Eintrübung in der Durchführung angereichert wird. Das Abegg-Trio – Gerrit Zitterbart hat für diese Aufnahme einen Broadwood-Flügel von 1808 ausgewählt – findet stets Kanäle, durch die es seinen ganzen Gestaltungs- und Ideenreichtum zu schleusen versteht. Beispiel: das Vivace im d-Moll-Trio (Hob. XV:23), das nach den zwei vorausgegangenen langsamen Sätzen wie eine Befreiung wirkt. Endlich darf wieder gelacht, zumindest geschmunzelt werden. Die Geige nimmt diesen Stimmungswechsel so forsch wahr, dass ihre obersten Töne mitunter pfeifenden Charakter annehmen. Wilhelm Bruns und Tilman Schaerf bringen das Trio auf Quintett-Größe und fügen sich nahtlos ein. Vom ersten Moderato-Takt an entwickeln die fünf eine selbstläuferische Neigung, die glücklicherweise auf jedes athletische Streben verzichtet. Auch zieht hier die Gemütlichkeit Haydn nicht in den Sessel, sondern erweist sich in der Liaison mit kerniger Artikulation als richtig am Platz. Warum diese Kernigkeit ausgerechnet im E-Dur-Trio (Hob. XV:28) zu Gunsten größerer Zahmheit aufgegeben wird, insbesondere bei den Bassstimmen im Finale, bleibt indes fraglich.

Christoph Vratz

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