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--> zur Originalbesprechung

Spricht man von der Gattung Streichquintett, denkt man zunächst vor allem an das geniale Spätwerk Franz Schuberts, auch wenn es ein Solitär im Schaffen des Komponisten ist. Wolfgang Amadeus Mozart hingegen experimentierte mit der Fünferbesetzung bereits als Siebzehnjähriger. Er brachte es auf insgesamt sechs Werke dieser Gattung, wobei er sich stets an die traditionelle Besetzung mit zwei Bratschen hielt. Mozart-Zeitgenosse Johann Friedrich Reichardt empfand die Quartetterweiterung als überflüssig, sogar als schädlich, brächte sie doch „Undeutlichkeit ins Stück“. Aber gerade das widerlegen Mozarts einschlägige Werke nachdrücklich. Bei ihm ist die zweite Bratsche kein Füllsel, welches u.U. verzichtbar ist, sondern ein zusätzlicher Dialogpartner, mal in sekundärer, mal in führender Rolle. Dass die Besetzungserweiterung als eine wirklich organische wirkt, macht eine Kompletteinspielung des Auryn-Quartettes noch einmal besonders deutlich. Die japanische Bratscherin Nobuko Imai integriert sich in das (immerhin seit 35 Jahren bestehende) Ensemble völlig organisch, füllt das Klanggeschehen auf, ohne ungebührlich hervorzutreten. Die Interpretationen besitzen einen unforcierten Atem, leben von natürlicher Musikalität, die Fragen nach technischer Bewältigung erst gar nicht aufkommen lässt. Solche Qualität besticht nicht zuletzt bei melancholischen Passagen, an denen die Quintette reich sind. Klangtechnisch ist die CD-Box superb.

Christoph Zimmermann

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