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"Ortstermin in der für ihre einmalige Akustik berühmten Gemeindekirche zu Gönningen auf der Schwäbischen Alb. Das Klassik-Label Tacet spielt mit dem Stuttgarter Symphonieorchester Bachs "Konzert für zwei Violinen" ein. Aber nicht wie üblich. Die Musiker sind rund um ein sternförmiges Fünffach-Mikro gruppiert: Eine Instrumentengruppe spielt links vorn, eine andere hinten rechts, eine dritte direkt von vorn.
Das Ergebnis, wiedergegeben auf der Mehrkanal-Abhöranlage, ist anfangs irritierend: Musik aus allen vier Ecken bin ich als stereophon aufgewachsener Musikliebhaber nicht gewohnt. Aber: So dicht war ich noch nie an (Retorten-)Musik dran, so intensiv hat noch keine Einspielung die Stimmung des Aufnahmeorts eingefangen. Und diese Rundumbeschallung ist auch noch authentisch: Genau so hatte es Johann Sebastian Bach für sein Werk vorgesehen.
Mehrkanalton hat viele Facetten - nicht umsonst haben wir dieser Technik ein 36 Seiten starkes Spezial gewidmet. Und natürlich hat sie eine so große Anziehungskraft, weil der Träger, die DVD, mit exzellentem Ton und scharfem Bild beeindruckt. Aber sollen wir deshalb das ganze Feld der Zisch-Bumm-Fraktion aus der Filmecke überlassen? Nein. Es wird Zeit dass das Medium Surround auch bei Audiophilen endlich seine Anrüchigkeit verliert. Denn Surround bedeutet ja nicht etwa, altüberlieferte highfidele Kulturwerte aufzugeben, sondern es ist eine Chance: Seriös angewandt, kann man mit dieser Technik Musik viel intensiver als bislang erleben.
Glücklicherweise formiert sich unter den Tonmeistern eine Gruppe, die den neuen Spielraum offensiv nutzt. Sie arbeiten nicht an einer Alternative zum Bisherigen, sondern an der Vertiefung der alten High-End-Idee von der möglichst perfekten Aufnahme. So sollten wir Surround verstehen. Und so sollten wir es nutzen." Holger Biermann (Im Editorial der Ausgabe 5/2001)

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